Sven Becker

geboren in Kühlungsborn, arbeitet als Fotograf, Maler, Grafiker und Pantomime. Seine Arbeit ist tief mit der Region verwurzelt. Dies spiegelt sich fast ausnahmlos in seinem Tun wider.

Die Fragestellung mit den Mitteln der Kunst ist das Werkzeug, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Diese Arbeitsweise ist prozesshaft und steht nicht still. Es gibt als kein absolutes Ziel. Er lebt und arbeitet in Rostock.

Kommunikations-Grafik Design (bei Jochen Berthold)

freie Arbeit in verschiedenen Werbeagenturen

Dozent an Bildungseinrichtungen Fachrichtung / DTP-Design

Studienaufenthalt in Riga / Schmuckgestaltung

Schauspielunterricht / Barbara Frank

Freier Pantomime in Mecklenburg-Vorpommern

Meisterschüler der Pantomime bei Dagmar Ringstorff

Sportschule Güstrow / Erwerb von Trainerlizenzen im Präventionssport

Landesverband Spiel & Theater Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Pro arte Künstlerakademie in Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Vorstandsmitglied Ostsee Grenzturm e.V.

Mitglied im Künstlerprojekt EAST COAST GALLERY / Rostock

Sven Becker ist Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern.

Er lebt und arbeitet in Rostock.



Work





über Sven

"Kreativität ist immer Arbeit an sich selbst"

Wann hast du mit der Fotografie angefangen:
Das war schon sehr früh und eigenlich nicht wirklich Fotografie. Den Anstoß gab wohl eher der Optik-Baukasten, mit den man so herumexperimentieren konnte. Leider stellte ich fest, dass das wichtigste darin fehlte - nämlich Menschen.
Denn was sollte man in Szene setzen wenn man nur einen Baukasten hat, aber kein Leben. Das habe ich sehr früh begriffen und den Baukasten beiseite gestellt. Aber das da noch viele andere kreative Zusammenhänge ihren Anfang nahmen, habe ich da noch nicht geahnt.

 
Dann hast du nicht mit der Fotografie angefangen?:
Nein, es war die Malerei. Kleine Skizzen, die sich schon damals irgendwie mit gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzten. Da kamen dann Plakate oder sowas dabei heraus. Später dann habe ich das dann ernster verfolgt und mir damit mein Taschengeld verdient. Ich hab Milchkannen bemalt.

 

Dann hast du also studiert?:
Nein, auch das nicht. Ich hatte mich mal damals zum Studium für den Bereich Innenarchitektur beworben. Ich kam also mit meiner Mappe an und war hoch motiviert. Die Dame hat die Mappe durchgesehen, sie zugeklappt und mit ernster Miene vermittelt, ich wäre abgelehnt. Ich fragte warum. Die Antwort: " Sie sind schon zu fertig".
Da hab ich dann viele Jahre später zur Wendezeit ne Umschulung zum Kommunikations-Graik Designer gemacht.
Hab ich auch nur bekommen, weil ich zeichnen konnte. Danach habe ich von derselben Einrichtung das Angebot bekommen, dort als Dozent zu arbeiten. Nach ein paar Monaten hab ich das aber wieder sein gelassen und habe lieber noch ein paar weiterführende Lehrgänge drangehängt.

Und die Malerei hast du dann auch abgebrochen:
Nee das habe ich kontinuierlich durchgezogen und kleine Grafiken angefertigt.
Es war sehr hilfreich, denn in der Wendezeit als junger Bengel und von nichts eine Ahnung in dem Bereich war das schon ne Lehrzeit. Ich habe praktisch meine Ausstellungen bis hin zur Pressearbeit selbst organisiert. Ich habe zwar nichts am Anfang verkauft, aber echt was gelernt. Vor allem auch mal Nein zu sagen. Heute sehe ich die Malerei als Lernprozess im Zusammenhang zum täglichen Leben. Es hat mir die Grundlagen zur Fotografie gelegt. Da ich eigentlich alles autodidaktisch erlernt habe, ist das ein grosser Vorteil, wenn es gilt, die Dinge zu beurteilen. Man ist nicht technisch vorbelastet und entscheidet nie wirklich nach Lehrbuch. Das könnte ich auch garnicht. Ich verlasse mich zu 100% auf mein Gefühl. Diese Sichtweise gebe ich zum Teil auch in Kursen weiter. Ich denke, das Intuition ein echtes Werkzeug sein kann. Sich darauf einzulassen ist ein echter Schritt. Viele entwickeln solche Denkweisen nie.
Ich bin auch überzeugt, das ein bestimmter Denkprozess dem Kreativprozess vorausgehen sollte. So wird das eigene Handeln auch greifbar. Wenn man sein Tun auch hinterfragen kann, hat man schon eine gewisse Basis, als wenn man nur ständig bestehendes übernimmt und stur kopiert. So wird man sich selbst nie entwickeln können.

Du bist dann den Weg als Künstler weitergegangen?
In gewisserweise schon. Nur kam parallel noch das Schauspiel - speziell die Kunst der Pantomime dazu. Was ich damals ja noch nicht als "Künstler" beurteilen konnte, war dann doch sehr prägend für meinen weiteren Weg als Kreativer. Mit der Pantomime habe ich aber schon mit 11 Jahren angefangen. Ich hatte kleine Auftritte im Land mit der ortsansäßigen Folkloregruppe.
Es war eigentlich ganz lustig. Mir war aber nicht wirklich bewusst, welche Auswirkungen das mal in meinem Leben haben würde. Den Künstlernamen "THE FACE" habe ich mir wegen meiner "gesichtsgymnastischen" Veranlagung zugelegt. Viel Erfahrung habe ich dann am Theater in Stettin sammeln können. In Deutschland geht man immer mit Erwartungshaltung zu einer Aufführung. Das habe ich im Ausland ganz anders erlebt. Da nimmt man irgendwie mehr Teil am kulturellem Geschehen. Da ist irgendwie mehr Lebensfreude spürbar.
Viele Jahre später hatte ich dann bei  Dagmar Ringstorff ein paar Lehrstunden. Vor dem Auftritt bei der Gala des jüdischen Theaters fragte sie mich, ob ich denn auch geübt habe. Ich sagte nein. Sie fragte, ob ich verrückt sei. Wir hatten unterschiedliche Spielgrundlagen. Dagmar hat ihre Szenen minutiös geplant, ich habe – egal was und wo – voll improvisiert.

Das mache ich heute noch so.

 
Wie passen denn ehrlich gesagt so viele Talente zusammen. Es erscheint doch unmöglich, das alles unter einen Hut zu bekommen?:
Ja das stimmt. Wenn man das alles zusammennimmt, scheint es so. Viele haben mich dann auch als “Lebenskünstler” abgetan. Aber das würde ja bedeuten, das ich so in den Tag hineinleben würde. Nur ist das leider nicht der Fall und ich muss dem eindeutig widersprechen. Denn es bedeutet, sich seiner Fähigkeiten bewusst zu werden und konsequent sein Leben zu organisieren. Das allein ist schon schwer genug. Entsprechend ist man ständig gezwungen, sich dem Umfeld gegenüber zu rechtfertigen, was wirklich nerven kann. Andersherum steht einem auch viel Neid und Missgunst im Weg, was widerum ebenso unverständlich wirkt, weil man ja mit diesem Talent lebt und nicht wirklich was dafür kann, das man was kann.


Aber irgendwie muss man doch seinen Lebensunterhalt verdienen?:
Ja klar. Das mache ich dann als Sporttherapeut – also auch hier wieder die Parallele zur Bewegung und Kreativität. Als ausgebildeter Fitnesstrainer im Bereich Prävention kann man da seine Grundlagen schaffen. Entsprechend habe ich das Ganze dann zusammengelegt und daraus dann das Trainingsprogramm “ART OF MIME” entwickelt. Also weg vom allgemeinem Trainingsmuster der vielen gängigen Kurse und hin zum hochflexiblen Training bestehend aus Körperarbeit der Bühne mit dem Fachwissen aus dem Präventionsbereich im Sport. So kam dann über die Jahre einiges an Erfahrung zusammen.


Wo liegt der derzeitige Schwerpunkt im kreativen Bereich?:
Wie gehabt natürlich die Malerei. Das lenkt ab, eröffnet neue Ansätze. Fotografisch ist natürlich die authentische Bildsprache der Weg. Das wird gerade in Zeiten von social media sehr deutlich. Kein anderes Medium hält der Gesellschaft wortwörtlich “den Spiegel” vor. Nur wird der einem nicht wirklich zeigen, wer man ist, sondern wer man sein möchte. Und da sehe ich eine echte Gefahr in der Selbstwahrnehmung der Nutzer. Es wird uns prägen – ganz sicher. Da haben wir als Fotografen eine echte Aufgabe wie auch Verantwortung. Es bleibt also spannend.

 

Was ist das aktuelle Projekt?:
Derzeit befindet sich zum einen das Gemeinschaftsprojekt EAST COAST GALLERY im Aufbau.
Hier entwickle ich gemeinsam mit weiteren Künstlern Projekte, die sich eben nicht mit dem Mainstream beschäftigen. Wir bearbeiten gezielt Themen, die sich sowohl aus gesellschaftlicher wie auch künstlerischer Sichtweise bewerten lassen müssen. Das ist derzeit ein echtes Arbeitsfeld, was wir uns immer wieder bewusst machen müssen. Spürbar wird dies immer den Telinehmern, die ein ganzes Stück Arbeit vor sich haben. Parallel stehen weitere Projekt an.